Schnell zwischendurch: Langsam wird man auf das PolitCamp doch aufmerksam. Nachdem der ORF zumindest thematisch schon einmal im "Report" letzten Dienstag (btw: leider gibts noch keinen Stream ala ZiB2 für den Report) sich Politik im Web2.0 angenähert hat, brachte der steirische Online-Ableger schon eine konkrete Ankündigung für die Unkonferenz im Mai.
Im Vorfeld des PolitCamps möchte ich auf Clay Shirky hinweisen, dessen begriffliches Instrumentarium die politischen Konsequenzen des Internets sehr gut begreifbar macht: Shirky analysiert die Folgen des Netzes für die Handlungen von Gruppen und kommt zu dem Ergebnis, dass das Internet kollektive Handlungen (collective actions) in einem Ausmaß erleichtert, das es in der Geschichte nie gegeben hat.
Im April ist Shirky Buch Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations erschienen. Über diesen Text (ich habe ihn selbst noch nicht gelesen) ist bisher in der Blogosphäre eher wenig zu finden. Über zentrale Thesen informieren eine Rezension (einschließlich eines langen Interviews mit Shirky) auf Arstechnica und dieses Video (in besserer Qualität hier) mit einem Vortrag Shirkys im Berkman Center der Harvard University:
In dem Vortrag im Berkman Center unterscheidet Shirky vier Formen von Gruppenbildung, die das Internet unterstützt:
Teilen (sharing)
Unterhaltung (conversation)
Zusammenarbeit (cooperation)
Kollektives Handeln (collective action)
Für Teilen, Unterhaltung und Zusammenarbeit finden sich im Netz heute jede Menge Beispiele. del.icio.us zeigt, wie Informationen im Netz geteilt werden können, zur Unterhaltung fällt einem sofort die Blogosphäre, zur Zusammenarbeit die Wikipedia ein. Die Zeit des webgestützten kollektiven Handelns beginnt für Shirky gerade erst. Das Web macht gemeinsame Aktionen lächerlich einfach, wie er sagt. Gesellschaft und politische Institutionen stehen damit vor einem fundamentalen Wandel.
Für Shirky entfalten Techniken ihre gesellschaftlichen Konsequenzen erst, wenn sie langweilig geworden sind; dieser Moment sei beim Internet erreicht:
As the Internet radically reduces the costs of collective action for everyone, it will transform the relationship between ordinary individuals and the large, hierarchical institutions that were a dominant force in 20th-century societies [Arstechnica].
Shirkys Verständnis der kollektiven Aktion ist sicher einen Essay wert (zu dem ich hoffentlich komme, wenn ich das Buch tatsächlich gelesen habe): Der Begriff des kollektiven Handelns stammt aus der soziologischen und volkswirtschaftlichen Tradition; er wird z.B. auch von Howard Rheingold verwendet, um die Bildung von Gruppen im Internet zu erklären; er ist wie der Begriff des sozialen Netzes ein Schlüsselkonzept für einen kritischen Diskurs über das Web. Beim Politcamp könnte man ausgehend von diesem Begriff zwei Fragenkomplexe angehen:
Welche neuen Formen des politischen kollektiven Handelns werden durch das Internet möglich? Welche Beispiele für sie gibt es? Welche Techniken lassen sich dabei verwenden? Wie werden sie sich auf die Gesellschaft auswirken? In welcher Beziehung stehen sie zu älteren Formen kollektiven Handelns jenseits der politischen Institutionen z.B. Bürgerinitiativen?
Wo können oder müssen die bestehenden politischen Institutionen durch webbasierte kollektive Aktionen verändert werden? Wo verdienen sie erhalten zu werden, wo nicht? Was bedeutet politische Professionalität in Zeiten des Internets? Wie verändert sich das Verhältnis von Politik und Medien, wenn prinzipiell alle Informationen allen Bürgerinnen im Web zugänglich gemacht werden können? Haben die Parteien in einer Internetdemokratie noch eine sinnvolle Funktion?
Wenn Shirky Recht hat, wenn die Zeit des kollektiven Handelns im Web beginnt, findet unser Politcamp zum richtigen Zeitpunkt statt. Wir sollten die Gelegenheit nutzen und ohne Tabus fragen, welches Veränderungspotenzial das Netz für die Politik hat.
Die Wiener Künstlergruppe monochrom kommt zum PolitCamp Graz. Voraussichtlich am Freitag (30. Mai 2008) Abend erwartet die PolitCamp-Teilnehmer eine 90-minütige Performance der österreichischen Künstler. Genauere Details müssen erst noch ausgemacht werden. Sobald es Neues gibt, wird dies natürlich auf www.politcamp.at berichtet.
Sie war eine Woche vor Beginn schon ausverkauft, und dass bei Eintrittpreisen von 40 bis 100 Euro pro Nase. Über 800 Teilnehmer hat die re:publica'08 nach Berlin gelockt, vom 2.4. bis 4.4. tauschten sich Blogger und "andere Netzbewohner" unter dem Motto "die kritische Masse" aus. So weitläufig das Thema war, so vielschichtig die Sessions, die in zwei Sälen und in 3 Workshops geboten wurden. Da beklagte sich der Journalist Thorsten Kleinz bei seinem Programmpunkt "Porno 2.0", dass der frühere Innovationsmotor der Porno-Branche schon lange nur mehr vor sich hintuckert und nichts neues mehr für das Netz bringt. Parallel wurde auf der re:publica die uns Studenten sattsam bekannte Debatte "Blogs vs Journalismus" geführt, unter anderem von der Chefredakteurin des Tagesspiegel Online, Mercedes Bunz. Keine Webkonferenz ohne den obligaten Hardcore-Freak-Techie-Stuff. Anscheinend doch, der Satz war schon geschrieben, bevor ein besonders nerdiges Thema im Programm gefunden werden konnte. Und es gab auch keines. Ein großer Pluspunkt für die re:publica, dass alle Sessions wirklich für jeden zugänglich waren, und keine Voträge gehalten wurden, die großes Ausschlusspotential bezüglich technischen Spezialwissens hatten. Das sollten wir uns auch fürs PolitCamp als Vorbild nehmen.
Ein gutes Zeichen für das PolitCamp: einen Programmpunkt hat es schon mal mit der re:publica gemeinsam, und zwar im Abendprogramm - die Gruppe monochrom hat in Berlin eine Performance beigetragen. Die Verhandlungen laufen bereits, dass es etwas ähnliches auch beim PolitCamp geben wird.
Dokumentiert wurde der ganze Spaß natürlich um-fass-end, einen sehr authentischen und unterhaltsamen Stimmungsbericht haben die blogpiloten gedreht, der mit der "Stöckchen-Methode" zwischen den Teilnehmern herumschwirrt. Leichte Übung für uns, sofern wir im FH-Verleih an eine Kamera kommen ;)
Über Soziale Netzwerke soll nicht nur beim PolitCamp Graz im Mai diskutiert werden, sondern sie sollten auch aktiv genutzt werden. Deshalb können StudiVz- und MeinVz-Nutzer ab sofort in der Gruppe PolitCamp Graz über die Auswirkungen von Blogs, Podcasts & Co auf die Demokratie mitdiskutieren.
Neuerdings begeistern sich immer mehr Politiker für das Internet. Aber Vorsicht: Auch im Netz gilt, je näher die Wahl rückt, umso bürgernäher sind Politiker. Eine gute Adresse um Kontakte zu BundespolitikerInnen aufzubauen ist die Website des Österreichischen Parlaments: www.parlinkom.gv.at
Jeder Parlamentarier hat auf dieser Site ein eigenes Profil, das u.a. über Lebenslauf, Qualifikationen und Nebentätigkeiten informiert.
Weiters wird man auf der Parlamentswebsite über wichtige Termine im Hohen Haus und über die Entwicklung des Parlamentarismus in Österreich informiert.
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